Terror in der Zukunft: LET THEM EAT MONEY!

Andres Veiel und Jutta Doberstein kreieren mit ihrer Versuchsanordnung >>Welche Zukunft?!<< die Inszenierung >>Let them eat money<< und transportieren die Zuschauer des Deutschen Theater Berlin in das Jahr 2028, in dem die nächste Finanzkrise protestierende Bürger zu einer Terrorgruppe vereint.

Im Jahr 2028 ist nicht mehr viel übrig von dem, was der Mensch Natur und Staat nennt. Die ersten Dürrekatastrophen in Europa haben sich schon im Jahre 2020 bemerkbar gemacht. Italien ist gegen Ende von 2020 Bankrott gegangen und ist aus der EU ausgetreten. Die Europäische Zentralbank befindet sich in einer erneuten Krise und die europäische Lösung für Geflüchtete, sogenannte Ocean Cities, geschaffene Kunstinseln auf internationalen Gewässern, entwickelt sich zu freien Zonen ohne Menschenrechte. Auch das eingeführte bedingungslose Grundeinkommen muss wegen der Finanzkrise halbiert werden, die Bürgerversicherung wird abgeschafft. Nun regelt ein im Menschen implantierter Chip über Vitaldaten eine minimale Gesundheitsversorgung. Maschinen, die das Grundeinkommen sichern, nehmen einen großen Teil der Arbeitsplätze in Anspruch. Die Arbeitslosigkeit steigt. Globale Chemieriesen, wie NOVA verkaufen ihr zertifiziertes Saatgut nur noch an Großkonzerne, Landwirtschaftsflächen werden für Kleinbauern unbezahlbar und die Dürre hält an. Meere trocknen aus und Salzlandschaften bilden sich. Die wegen der Urbanisierung gebildeten Landkommunen sind in ihrer Existenz bedroht, verschwinden in den Untergrund und gründen die Widerstandsgruppe Let them eat money. Die Terrororganisation, Let them eat money klagt die Verantwortlichen an. Sie entführen und befragen die Verursacher der Krise. Let them eat money versucht zu verstehen, wie es nur so weit kommen konnte und wie sich die Zukunft noch retten lässt.

>>LET THEM EAT MONEY<<, Kathleen Morgeneyer, Luise Hart, Thorsten Hierse, Foto: Arno Declair.

Das interdisziplinäre Recherche und Theaterprojekt >>Welche Zukunft?!<< von Veiel und Doberstein befindet sich schon seit September 2017 im Schaffensprozess. Unterschiedliche Wissenschaftler, kreative und weitere Teilnehmer haben mit ihren Gedanken eine Prognose für unsere Zukunft bis ins Jahr 2028 entwickelt. Ausgangspunkt für diese Prognose war eine erneute Finanzkrise. Nun feiert das Projekt >>Welche Zukunft?!<< ein Jahr später im Deutschen Theater Berlin seine Inszenierung >>Let them eat money<<. Das hochkomplexe und außergewöhnliche Projekt von Veiel und Doberstein spiegelt sich auch in der Inszenierung wieder. Die Autoren haben aus den gesammelten Recherchen eine Zukunftsvision von 2028 entwickelt und eine Geschichte von einer Frau namens Yldune geschrieben. Yldune ist eine alleinerziehende Mutter und kämpft sich, wie unter anderem ihr Hacker-Freund Onz, durch die neoliberale Gesellschaft, die sich wieder in einer Finanzkrise befindet. Diesmal ist aber nicht nur der Markt hinüber, sondern die europäische Union besteht nur noch aus Nord-Europa und die Klimaextreme nehmen auf der ganzen Welt weiter zu. Damit die Zuschauer der verdichteten Geschichte folgen können, hat das künstlerische Team sich für ein minimalistisches Bühnenbild (Julia Kaschlinski) entschieden. Außer einem Gestell, das an Sicherheitsschleusen erinnert und Leinwänden, worauf Projektionen und Liveübertragungen gezeigt werden, ist nicht viel vorhanden, dies unterstützt aber die Atmosphäre des Sci-Fiction-Thrillers und versucht den Fokus auf das gesprochene Wort zu lenken. Die geschriebene Geschichte und die Zukunftsvision von Veiel und Doberstein sind ohne weitere Lektüre und Kenntnisse vom Projekt nur schwer zu fassen. Auch die fiktiven Interviews mit den Verursachern der Krise und die Terrorgruppe, Let them eat money schaffen es nur schwer eine Dynamik im Spiel zu erzeugen und die Spannung aufrecht zu halten, weswegen das grandiose Konstrukt träge wirkt. Im Frühjahr 2020 wird das Projekt >>Welche Zukunft?!<< mit einer Abschlusskonferenz im Berliner Schloss beendet.

>>LET THEM EAT MONEY<<, Deutsches Theater Berlin, weitere Vorstellungen, 9.10., 13.10. und 27.10. Karten unter: service@deutschestheater.de und Tel. 030.28 441-221.

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