>>Bitte kein Gemeinschaftsgefühl.<<

Das Ensemble vom Berliner Kabarett Theater die DISTEL wandert in >>Wenn Deutsche über Grenzen gehen – Oder das Ziel ist im Weg<< durch die kollektive Ich-Ideologie der Moderne und erfährt von ihren Autoren, Michael Frowin und Philipp Schaller eine Therapie westlicher Kollektivneurosen.

>>Dieser Weg wird kein leichter sein, sagt der Igel zu dem Stachelschwein (…)<<, singen voller Elan die Mitglieder der Reisegruppe, die sich auf dem Jakobsweg befinden. Jeder der Mitglieder wandert für sich allein, zumindest gilt dies für Lehrerin Marion (Caroline Lux), die jegliches Gemeinschaftsgefühl zu unterbinden versucht. Als es stürmisch zu regnen beginnt, flüchtet sich die Gruppe in eine Herberge, in der es nur ein Gemeinschaftszimmer gibt. Der etwas aufdringliche Pfarrer Lars (Timo Doleys) animiert den Spulenwickler Dirk (Stefan Martin Müller) und Lehrerin Marion zu Small Talk. Dort erzählt Marion beispielsweise, dass sie auf der Suche nach sich selbst ist, nachdem ihre Langzeitbeziehung von drei Wochen in die Brüche ging. Dirk ist unter Vortäuschung falscher Tatsachen auf dem Jakobswegs gelandet. Und der ehrenamtliche Bürgermeister und Pfarrer Lars ist auf der Flucht vor seinen Bürgern. Seine Dorfbewohner sind sauer, weil sie überwiegend arbeitslos sind. Durch die Aufnahme von 2 syrischen Familien, hatten die knapp 256 Dorfbewohner Arbeit als Neonazis gefunden. Auch die dorfälteste Rolli-Dame Rosi hatte wieder ein Job als Rechtsextremistin. Nachdem die Syrer ihren Aufenthaltsstatus hatten, haben sie das Dorf verlassen. Dadurch wurden die von den Neonazis betriebenen Mahnwachen eingestellt. Der Small Talk zwischen Marion, Lars und Dirk verwandelt sich schnell in tiefergehende Gespräche. Es entfachen politische Diskussionen und Gesangseinlagen, wie über den Klimawandel und den sozialen Abwärtsvergleichen. Marion zieht eine Analogie von Dirks stinkenden Socken zu unserer narzisstischen Gesellschaft. Und der Aufenthalt in der Herberge entwickelt sich zu einer zynischen Revue.

Wenn Deutsche über Grenzen gehen: Ensemble. Foto: Chris Gonz.

Die Autoren Michael Frowin, er hat auch Regie geführt, und Philipp Schaller haben mit  >>Wenn Deutsche über Grenzen gehen – Oder das Ziel ist im Weg<<  eine politische Revue geschaffen, in der die drei Schauspieler*innen, Caroline Lux, Timo Doleys und Stefan Martin Müller über unterschiedliche Gags, Songs und Dialoge sich den Themen unserer Kollektivneurosen nähern und über Mitgefühl zueinander finden. Auch wenn die Drei oft durcheinander oder gegeneinander sprechen, harmonieren sie jedoch in jeder Gesangeinlage und Choreografie. Die Bühne von Antje Gebauer erinnert etwas an Monty Python’s, >>The Life of Brian<< und passt bestens zu den komischen Situationen und Erzählungen der Spieler. In der Revue bekommen unterschiedliche fragwürdige Politiker, wie Horst Seehofer, Donald Trump, Recep Tayyip Erdoğan und vor allem Angela Merkel, ihr Fett weg.

Merkel wird hier als >>Toyota unter den Meinungen<< verstanden, weil bei ihr alles möglich ist. >>Wenn Deutsche über Grenzen gehen – Oder das Ziel ist im Weg<< ist sehr gesellschaftskritisch und weist auf viele Probleme unserer narzisstischen Gesellschaft hin, die droht sich in einer inhumanen Ich-Ideologie zu verlieren. In dem Song >>soziale Abwärtsvergleiche<<, beschreibt das Ensemble zum Beispiel, wie Menschen sich gegenseitig über Macht und sozialen Status erniedrigen, um sich ein besseres Ich-Gefühl zu verschaffen. Auch, wenn der Mensch des Menschen Wolf ist, versucht das künstlerische Team die kollektiven Neurosen über das Mitgefühl, zu therapieren.

Das Kabarett-Programm der Berliner DISTEL >>Wenn Deutsche über Grenzen gehen – Oder das Ziel ist im Weg<< spiegelt mit viel Humor, Zynismus und Ironie unsere narzisstische Gesellschaft; sodass auch angesprochene Personen in dieser Revue mit originellen Gesangseinlagen lachen dürften.

 

Wenn Deutsche über Grenzen gehen – Oder das Ziel ist im Weg, Kabarett Theater DISTEL, weitere Aufführungen, 27.8. – 31.8.2018, jeweils um 20 Uhr. Karten: 16 -31 Euro, unter 030 – 204 47 04 oder karten@distel-berlin.de

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