Theater, ein rechtsfreier Raum?

Ein Kommentar: Performance >>¿Qué haré yo con esta espada? (Was werde ich mit diesem Schwert tun?)<< von Angélica Liddell zu Gast auf dem FIND Festival 2018 an der Schaubühne am Lehniner Platz.

Was ist bloß los auf den Brettern, die die Welt bedeuten? Im Gastspiel >>¿Qué haré yo con esta espada?<< kommt Regisseurin und Performerin Angélica Liddell auf die Bühne und phantasiert genussvoll ihren Tod und beschreibt fanatisch, wie ihre Existenz durch eine Vergewaltigung an Sinn gewinnt. Sie legt sich breitbeinig auf den Seziertisch und präsentiert minutenlang ihre Vagina. Dass die Künstlerin nach dem sexuellen Missbrauch gerne aufgegessen werden möchte, ist geschenkt. Der erste Akt von der Triologie der Unendlichkeit befindet sich wahrhaftig in einer Tragödie des Fleisches und zwar ist es ein Trauerspiel für das weibliche Geschlecht, welches immer wieder in unserer Gesellschaft erniedrigt und gedemütigt wird. Auf keinem Ort in dieser Welt besitzt das Individuum die Fähigkeit sich seines Verstandes zu bedienen, über seine Handlungen zu reflektieren und die Frau als Mensch mit Persönlichkeit anzuerkennen. Oder wieso lässt die Regisseurin eine Reihe von jungen Mädchen auf die Bühne bringen, die sich ausziehen, herumspringen und sich bis zu einem Orgasmus drangsalieren müssen? Anscheinend verschenkt das Individuum für Ruhm mehr von seiner Würde, als es je zur Verfügung hatte. Als sei es nicht genug die Frau, die ja bekanntlich unter dem Mensch steht, zu schänden, werden noch lebende Fische auf die Bühne gebracht. Die Fische befinden sich in Aquarien aus denen ein Tänzer sich für sein Spiel Wasser herausnimmt. Das Tier wird unnötig in Stress versetzt, was unter anderem auch das Tierschutzgesetz verletzt, welches auch für Theaterhäuser gilt. Weiter befinden sich mehrere Oktupusse auf der Bühne, mit denen die jungen Mädchen sich auspeitschen, das Tier auf den Kopf setzen und auf den Boden schmeißen, als sei es irgendein Gegenstand. Die nackten Mädchen reißen dem Tier die Tentakeln raus und werfen damit um sich. Wird das unter neue Dramatik verstanden? Die unreflektierte Widerspiegelung der Wirklichkeiten in ihrer ganzen Hässlichkeit, damit das Publikum belustigt wird. Müssen Frauen und Tiere sich nun auch auf der Bühne für theatrale Zwecke erniedrigen und missbrauchen lassen, wie Sklaven im Antiken Rom. Haben sie auch hier kein Recht auf ein respektvolles Leben? Finden nicht schon genug Spiele zur Verblödung der Masse außerhalb von theatralen Räumen statt? Oder möchte die Schaubühne Berlin, wie Die Zeit etwas zum >>Bedrohten Mann<<* beitragen?

Unabhängig von der Erniedrigung der Frau und von dem Tiermissbrauch, ist es für jedes Geschlecht, das ohne sein Einverständnis zu sexuellen Handlungen genötigt wurde, ein Schlag ins Gesicht, wenn auf einer renommierten Theaterbühne eine Performerin ihre Beine breit macht und sich wünscht vergewaltigt zu werden. Dass Liddell sich mit dem kannibalistischen Mord von Issei Sagawa an seine Kommilitonin Renée Hartevelt beschäftigt, um verdrängte und irrationale Gewalt im Kannibalismus und Terrorismus aufzuspüren, ist ja interessant. Doch es wäre auch ohne die Tötung von Tieren und Tiermissbrauch möglich gewesen. Moderne Dramatik wäre wesentlich schöner, wenn sie sich reflektiert und politisch zeigt. Schade, dass es bei >>¿Qué haré yo con esta espada?<< hinausläuft auf >>Die Essenz des Menschen ist die Leere<<.

¿Qué haré yo con esta espada?, Schaubühne Berlin, 7.4.2018 um 19 Uhr, andere Veranstaltungen im Rahmen des FIND-Festival: https://www.schaubuehne.de/de/seiten/find-2017.html , Karten unter: ticket@schaubuehne.de oder 030/89 00 23.

*) Ein Widerwort von Simone Schmollack: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/opa-erzaehlt-vom-krieg

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