Tatort: Selbstreferenzialität

Kroatischer Theaterregisseur Oliver Frljić inszeniert am Maxim Gorki Theater in Berlin >>Gorki – Alternative für Deutschland?<< und kreiert mit überspitzter Selbstreferenz eine Hyperrealität

Mit >>Mut zur Wahrheit<< treten das Schauspielensemble (Nika Mišković, Mehmet Ateşçi, Svenja Liesau, Till Wonka, Falilou Seck, Mareike Beykirch, Alexander Sol Sweid) von Oliver Frljićs Inszenierung >>Gorki – Alternative für Deutschland?<< auf die Bühne des Maxim Gorki Theaters und hinterfragen in einen offenen Diskurs die Strukturen ihres Hauses. Das migrantische Theater hat ein besonderes Einstellungsverfahren, in dem es Minderheiten und Migranten bevorzugt. Entscheidend beim Bewerbungsverfahren ist der (Migrations)hintergund. Sie fragen sich, warum sie gerade hier auf der Bühne stehen? Liegt es an der Hautfarbe, an einer zu erfüllenden Quote oder an ihrer Geschichte? Oder hat es doch etwas mit ihrer Qualifikation zu tun? Um dies herauszufinden, werden Mareike Beykirch und Svenja Liesau in ein Battle geschickt. Beide erzählen etwas von ihren biografischen Schicksalsschlägen und der Zuschauerapplaus entscheidet, welche Darstellerin am Gorki-Theater weiterarbeiten darf. Ein kurzer Werbespot zur AfD. Weiter geht es mit der deutschen Geschichte des Maxim Gorki Theaters, über die Ängste der Darsteller, die die  Inszenierung >>Gorki – Alternative für Deutschland?<< in Richtung Faschismus lenkt und versucht die unterschiedlichen Szenen zu synthetisieren.

>>Gorki – Alternative für Deutschland<<, Ensemble, Foto: Ute Langkafel.

Regisseur Oliver Frljićs, der sich durch seine provokanten Arbeiten auszeichnet, setzt in der Inszenierung >>Gorki – Alternative für Deutschland?<< sehr viel auf überspitze Selbstreferentialität. Er verbindet die Identität der Schauspieler mit der gegenwärtigen Zeit und dem Theaterraum. Dadurch erschafft er eine Hyperrealität, in der die Schauspieler als selbsternannte Minderheiten anfangen das Fremde auszugrenzen und aus Angst vor Armut, Veränderungen oder Arbeitslosigkeit in die AfD eintreten. Besonders gelungen ist das Kostümbild von Sandra Dekanić, welches das Ausgrenzen als menschliche Eigenschaft untermalt, in dem jeder Darsteller einen Bestandteil von Mareikes späterer SS-Uniform an sich trägt. Dennoch verliert sich Frljićs bei seinem Versuch die Hyperrealität aufrechtzuerhalten in der Selbstreferentialität und wird der Frage, was kann Theater in Zeiten rechtextremer Gewalt leisten in keiner Weise gerecht. Das erstklassige Gorki-Ensemble, welches er auf der Bühne stehen hat, wird wenig in seinem schauspielerischen Können herausgefordert und muss permanent auf sich selbst zurückgreifen. Tiefgreifende Substanz entwickelt >>Gorki – Alternative für Deutschland?<< erst mit der Frage von Svenja an ihren Sohn Franz (Alexander Sol Sweid): >>Würdest Du für Deutschland sterben?<< Er antwortet mit >>Warum?<<.

Faschismus ist wieder salonfähig geworden und bei der immensen Rückkehr des Nationalsozialismus, der sich durch demokratische Strukturen legitimieren lässt, ist die Frage, >>Würdest Du für Deutschland sterben?<<, das mindeste, was wir für unsere nachkommende Generation tun können.

>>Alternative für Deutschland?<<, Maxim Gorki Theater Berlin, Weiterer Spieltermin: 23.3., 7.4., 12.4., jeweils um 19.30 Uhr. Karten unter: ticket@gorki.de oder 030 20221-115.

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