>>Mich interessiert es auch nicht mehr.<<

Gorkis Exil Ensemble produziert zusammen mit dem Regisseur Sebastian Nübling und dem Text von Heiner Müllers >>Die Hamletmaschine<< unter Verwendung von Texten von Ayham Majid Agha den dritten Clown im Arabischen Frühling.

Der Dramatiker Heiner Müller befasst sich in seinem Werk >>Die Hamletmaschine<< (1977) mit der Situation des Intellektuellen in der Zeit der DDR. Dort ist der Intellektuelle zum Zuschauer von Aufständen und Revolutionen geworden. Er ist der zweite Clown im kommunistischen Frühling, welcher das Volk mit belangloser Kunst unterhält und nicht ins zeitliche Geschehen eingreift. Dieses Motiv greift das Exil Ensemble (Maryam Abu Khaled, Mazen Aljubbeh, Hussein Al Shateli, Karim Daoud, Tahera Hashemi, Kenda Hmeidan, Ayham Majid Agha) des Maxim Gorki Theater in Berlin auf und transportiert es nach Syrien. Hier befindet sich Müllers Intellektueller als dritter Clown im Arabischen Frühling. Insgesamt befinden sich in Sebastian Nüblings Inszenierung >>Die Hamletmaschine<< sieben Schauspieler als Clowns auf der Bühne. Die Schauspieler stammen aus Syrien, Palästina oder Afghanistan. Alle kommen aus Kriegsgebieten, haben Fluchterfahrung und leben im Exil. Müllers Text >>Die Hamletmaschine<< wird an diesen Abend nur kaum gesprochen. Er erscheint hauptsächlich als Projektion in Deutsch, Englisch und Arabisch. Nur selten wird Bezug zum Text genommen. Müllers Drama wird mit Texten von Ayham Majid Agha ergänzt, welche die Clowns über den Brudermord von Kain und Abel nach Syrien, Damaskus, führt. Figuren und Handlungszusammenhänge verschwinden. Im Vordergrund von Nüblings Interpretation steht die belanglose Kunst der Clowns. >>[Das] Drama findet nicht mehr statt.<<, weder auf der Bühne noch in der Realität.

>>Die Hamletmaschine<<, Exil Ensemble, Foto: Ute Langkafel.

An diesem Abend wird das Publikum von sieben skurrilen Clowns unterhalten. Sie sprechen und projizieren ein Drama, das auf der Bühne nicht stattfindet. Zauberkunst und sinnentleerte Handlungen dominieren auf der Bühne. Im Äquivalent zu unserer realen Gesellschaft, hier spielt ein Drama. Genozide, wie beispielsweise an der syrischen Bevölkerung, sind Teil des Trauerspiels, die akzeptiert werden. Giftgasanschläge zur Ausrottung von Bevölkerungen werden nur beiläufig registriert. Das Drama >>Welt<< wird unter aller Augen gespielt, doch keiner interessiert sich dafür. Der Clown als Sinnbild des Intellektuellen im Arabischen Frühling verliert sich in der absurden Darstellung von Belanglosigkeiten. Wirre Handlungen und abstrakte Bilder sind das Fundament von Nüblings Inszenierung. Besonders misslungen ist Nüblings Orphelia-Szene, in der Hamlet eine Frau sein will. Hier holt ein weiblicher Clown spielend sein Luftballon-Glied hervor und relativiert die Geschlechtsidentität von Menschen auf das bloße Geschlechtsorgan. Auch wenn Müllers >>Hamletmaschine<< sehr offen für unterschiedliche Interpretationen ist und viele Möglichkeiten bietet mit ihr umzugehen, wäre es doch schön gewesen, wenn Heiner Müller an diesem Abend nicht verschwunden wäre. Müllers grausame und starke Poesie, welche prägende Bilder erzeugt, treffend unsere moderne Gesellschaft beschreibt und von seiner besonderen Sprache und Ausdruck lebt, ist unter den absurden Clowns verschwunden. Müller war an diesen Abend schlichtweg tot. Nur seine Worte hingen noch an der Wand.

>>Die Hamletmaschine<<, Maxim Gorki Theater Berlin, Weitere Spieltermine: 16.3., 6.4., 20.4., jeweils um 19.30 Uhr. Karten unter: ticket@gorki.de oder 030 20221-115

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