STOLPERN ÜBER ERINNERUNGEN

Die Regisseure Hans-Werner Kroesinger und Regine Dura gedenken mit >>STOLPERSTEINE STAATSTHEATER<< den Theaterkünstlern des Badischen Staatstheater nach 1933, die Opfer der nationalsozialistischen Kulturpolitik wurden.

>>Kunst ist national und lässt sich nicht in alle Kulturen integrieren<<, sagen die Schauspieler*innen (Marthe Lola Deutschmann, Antonia Mohr, Jonathan Bruckmeier, Gunnar Schmidt) im Prolog der Inszenierung von >>STOLPERSTEINE STAATSTHEATER<<, welches im Rahmen des Dritten Berliner Herbstsalon am Maxim Gorki Theater gastierte. Seine Uraufführung feierte das Stück >>STOLPERSTEINE<< am 21.6.2015 in Karlsruhe zum 300-jährigen Stadtgeburtstag. Die Regisseure Hans-Werner Kroesinger und Regine Dura erarbeiten aus früheren Personalakten, alten Zeitungen, Flugblättern, Propagandatexten, Briefen und Postkarten eine Textfassung, die sich auf vier biografische Geschichten von Lilly Jank, Paul Gemmecke, Emma Grandeit und Hermann Brand stützt. Die Schauspieler*innen referieren an diesem Abend die recherchierten Akten, welche mit Zeitzeugenberichten und Liedern ergänzt werden, um der Textfassung Lebendigkeit zu verleihen. In wechselnden Rollen, oft wird nicht deutlich in welcher Rolle sie sich nun befinden, rekonstruieren die Schauspieler*innen die Zeit nach 1933 am Stadttheater Karlsruhe. Eine Zeit, in der Theaterkünstler aufgrund antisemitischer Diskriminierung entlassen wurden. >>STOLPERSTEINE STAATSTHEATER<< ist eine gelungene Arbeit im Rahmen des Dokumentartheaters. Das recherchierte Material erinnert mit den Worten der Betroffenen an die Schicksale der Karlsruher Opfer und zeichnet nach, wie das Dritte Reich mit seiner nationalsozialistischen Politik sich auf den Kulturbereich auswirkte. Leinwandprojektionen und gesungene Lieder verleihen der Inszenierung die nötige emotionale Kraft die Zuschauer ins Dritte Reich zu versetzen. Dem Ensemble gelingt es einen großen Teil an Aufklärungsarbeit zu leisten. Wie die Stolpersteine vom bildenen Künstler Günter Demming erinnern sie an die Opfern des Nationalsozialismus, in dem sie immer wieder über weitere Briefe oder Erinnerungen stolpern, welche die Betroffenen Künstler auf die gegenwärtige Bühne bringen. Auf theatralischer Ebene ermöglicht die dokumentarische Textfassung >>nicht viele Spielräume<<, sodass das Schauspiel eher trocken und oft unbelebt am Produktionstisch stattfindet, was dem Geschehen nötige Spannung und Emotionalität raubt, auch die vielen Rollenwechsel verwirren eher das Schauspiel, als dass es der Inszenierung hilft.

 

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