AUSVERKAUF MONOGAMIE

Mit >>LOVE HURTS IN TINDER TIMES<< läutet der Regisseur Patrick Wengenroth mit seinem Ensemble das Ende der Zweierbeziehung ein. Das Stichwort lautet: POLYGAMIE.

Bedingungslose Liebe ist im Zeitalter der Digitalität und der modernen Technologien nur noch in raren Mengen erhältlich. Liebe ist zur Ware geworden. Ein Produkt des Menschen, welches nicht nur an Bedingungen, sondern auch Transaktionen geknüpft ist. Und je mehr Liebe, Zuneigung und Bestätigung wir erlangen, umso wertvoller fühlen wir uns. Jedes Like auf Facebook, jedes Match bei Tinder und jedes Kompliment bestärken unser Ego. Damit wir unsere vielfältigen Bedürfnisse befriedigen können, unser überleben sichern, benötigen wir mehrere Arrangements. Da kann es schon passieren, dass auf die vielen Gefühle mehrere Partner fallen, zumindest ergeht so es dem Pop-Ensemble von >>LOVE HURTS IN TINDER TIMES<<. Gemeinsam hinterfragen sie die Liebe im digitalen Zeitalter und das abgelaufene Beziehungsmodell: Monogamie. Wie der Schauspieler Mark Waschke so schön fragt: >>Why the fuck?<<

Rechts nach Links: Matze Kloppe, Lise Risom Olsen, Mark Waschke, Andreas Schroeders. Foto: Gianmoreo Bresadola.

Die Liebe ist ein grenzüberschreitendes Transzendent, sie ist Kommunikation und erkennt das Subjekt nicht als bloßes Objekt, sondern lernt das andere Subjekt in seiner Eigenart anerkennen. Bei modernen Beziehungsmodellen liegt ein besonderer Fokus auf: RESPEKT und KOMMUNIKATION. Ansonsten können Polygamie und Polyamorie nicht ohne weiteres funktionieren, es sei denn die freie Liebe verkommt zur Affäre, aber das ist ein anderes Phänomen.

>>Wenn man liebt, hinterlässt man Spuren<< (Patrick Wengenroth)

1485535119_k1600_love_hurts_fp-6839Patrick Wengenroth. Foto: Gianmoreo Bresadola.

Patrick Wengenroths Inszenierung >>LOVE HURTS IN TINDER TIMES<<, in der der Regisseur selber als Frau mit legendärer Stimme auftritt, befindet sich musikalisch im 80-iger Jahre Pop, genau wie die Erzählungen vom Flaschendrehen des Schauspielers Mark Waschke und die Performanz des Geschechts, in der Wengenroth und Ensemble betonen möchten, dass Liebe eine Handlung ist, die immer wieder erneuert werden muss. Weswegen Schauspielerin Lise Risom Olsen mit ihrem Kollegen Andreas Schröder gerne einen revolutionären Ausflug zu Nestlė machen möchte. Neben den gelungenen musikalischen Einlagen, komplexen Passagen, nimmt das >>Body-auf-Leinwand<< eine eigentümliche Rolle in der Inszenierung ein, wird zum Happening selbst und verdeutlicht, wie der Körper im digitalen Zeitalter mehr denn je zum Ausstellungsobjekt geworden ist. Ein rundum gelungener Abend, dem man gerne beiwohnt.

>>LOVE HURTS IN TINDER TIMES<<| Schaubühne Berlin | Spieltermine: 25.4., 26.4., 7.5., 26.5. jeweils um 19.30 Uhr und 24.5. um 20 Uhr| Karten unter: ticket@schaubuehne.de

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