Nichts bewegt sich, alles steht still

Einen Moment lang nicht effizient. Festgefroren. Unter Eis. Kalt. ANGST. Eis. Eis. Eis. Ein Niemand; Paul Niemand. Berater in einem Unternehmen. Er hat den Moment der Karriere verpasst. Er konnte den Druck nicht mehr Stand halten. Burn-Out. Nun wird er durch die nächste Generation ausgetauscht und über die Existenzangst in vergangene Erinnerungen hinein gezerrt.

>>Ich bin so weit gelaufen, dass ich irgendwo aufschlug. Ich hörte einen Sturz. Ich hörte mich fallen und etwas in mir zerbrach. Ein lautes Geräusch, plötzlich mein Herz // riss …die lieben mich nicht, und deshalb werde ich immer rennen und laufen und suchen und schauen und stürzen und fallen und zerbrechen und schreien.<<

Falk Richters Inszenierung UNTER EIS, die bereits 2004 ihre Uraufführung an der Schaubühne Berlin feierte, problematisiert die Weltwirtschaftskrise, den Neoliberalismus und die immer stärker werdende Leistungsgesellschaft, in der der Mensch kein Jemand mehr ist, sondern zu einem Niemand degradiert wird. Eine Ware mit Haltbarkeitsdatum. Ist das Ablaufsdatum erreicht, wird er weggeworfen und durch einen neuen Niemand ersetzt, der die gewünschte Leistung erbringt. Wie am Fließband werden Menschen ausgetauscht, ersetzt und für nichtig erklärt. So spricht auch der Schauspieler, Thomas Thieme die Figur des Paul Niemand. Schnell, ohne Pause, bis er außer Atmen kommt, hinfällt und von der jüngeren Generation ausgetauscht wird.

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André Szymanski, Thomas Thieme, Mark Waschke. Foto: Arno Declair.

In UNTER EIS liegt der Fokus ganz stark auf dem Text des Autors Richters und weniger auf seine Regiearbeit. Der Autor arbeitet neben der Wirtschaftskrise, persönliche Erlebnisse, wie Kindheitstraumata und Beziehungskonflikte ab, die zu einem gesellschaftlichen Phänomen unserer Zeit verschmelzen. Der Mensch ist mehr denn je in einer Krise gefangen, die über sein Selbst hinausgeht und nun das Gemeinschaftswesen betrifft; den Zoon politikon. Der Mensch als sozial-politisches Wesen befindet sich wieder an einem Punkt, in dem der geistige Fortschritt hinter den technischen Errungenschaften zurückbleibt. Isolation, Existenzängste und die Furcht vor dem Anderen treten vermehrt auf. Nationen werden wieder geschaffen und Bündnisse gelöst. Die Idiotie ist auf dem Vormarsch. Die Technologie entwickelt sich weiter und der Mensch entwickelt sich zurück.

UNTER EIS ist nun schon knapp 13 Jahre auf der Bühne präsent, befindet sich aber mehr denn je in unserer Zeit und hat zu Recht Spielberechtigung. Dennoch erklärt es, dass an diesem Abend die Energie der Schauspieler etwas verblasste und der Text an einigen Stellen nicht in seiner ganzen Leistung strahlen konnte.

UNTER EIS| Schaubühne Berlin| weitere Spieltermine unter: http://www.schaubuehne.de/en/produktionen/unter-eis.html/m=318 | Karten unter: 030-8900-23 oder unter ticket@schaubuehne.de.

 

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