Zu Hause ist es doch am schönsten! …

…angekommen an der Schaubühne; treffen während der Konzertlesung FOR THE DISCONNECTED CHILD – unplugged Falk Richters Charaktere u.a. aus der Inszenierung „For the disconnected Child“ (UA Schaubühne Berlin 2013) aufeinander und begeben sich erneut auf die Suche nach Liebe, Nähe und Verbindung in der Großstadt. Musikalisch wird die Lesung von Helgi Hrafn Jónsson begleitet.

Schon einige Jahre ist es her, dass Tatjana Winter und Til zueinander finden und dem Berliner Zuschauer die Misere der Großstadt vergegenwärtigen, in der das leistungsstrebende Subjekt nach permanenter Nähe sucht, die er nicht zulassen kann. Die ständige (Selbst-)Optimimierung führt zu einer Narzissifizierung seines Selbst, wodurch der Andere verschwindet, nicht mehr wahrgenommen wird. Das Selbst geht auf in Selbstausbeutung und läutet damit das Ende der Liebe ein. Menschen können keine Bindungen mehr eingehen, haben Angst vor Nähe und Furcht vor Einsamkeit. Moderne Technologien ermöglichen Verbindungen mit einer unbeschreiblichen Distanz, die den ‚Verbundenden‘ eine Nähe suggeriert.

TIL: „die blonde“

TATJANA: „äh naja ja also“

TIL: „ach ja die Frau mit den zwei Kindern“

TATJANA: „Ja.“

TIL: „Ja aha und was genau wolltest du jetzt?“

TATJANA: „deine Stimme also ich dachte einfach dass (Pause) diese Musik hat mich einfach so … aufge … wühlt.“

TIL: „ach ja das ist … nett, warte mal, kann ich … shit. Warte … kann ich dich irgendwie … später …“

TATJANA: „Was?“

Genau wie die technologischen Verbindungen, ist die Bindungsfähigkeit der Menschen gestört. DISCONNECTED! Vertrauen wird zur Herausforderung und die Bindungsfähigkeit zu einem unerfüllbaren Wunsch. Richters Konzertlesung, die am 11. Juni 2016 an der Schaubühne mit musikalischer Begleitung von Helgi Hrafn Jónsson stattgefunden hat, hat über die Texte von „For the disconnected Child“, „Small Town Boy“ (UA Maxim Gorki Theater Berlin 2014) und „Zwei Uhr Nachts“ (UA Schauspiel Frankfurt 2015) die disconnected Kids auftreten lassen. Mit den Schauspielern Ursina Lardi und Tilman Strauß sowie dem Autor und Regisseur Falk Richter verkörpert die Lesung rastlos suchende Menschen, die in einer Welt voller Möglichkeiten nach Bindungen streben. Unfähig sind sich einzulassen. Sich dann doch wieder allein abends vor den Schwuz wiederfinden. Und schutzlos in der Welt herumirren. Die Lesung wandelt sich dank talentierter Schauspieler und Autor-Regisseur zu einer Performance mit großartigen Unterhaltungswert und mitfühlender Dramatik. Wieder einmal konnte mensch den bedeutenden Texten von Richter lauschen und dabei zusehen, wie die Darsteller dem Text emotionale Tiefe verleihen. Neben der Lesung präsentierte der isländische Musiker Helgi Hrafn Jónsson, der sowohl die Musik für „For the disconnected Child“ und „Zwei Uhr Nachts“ mitkomponiert hat, Lieder aus seinem neuen Album „VÆNGJATAK“ und spielte zusätzlich in bekannter und geliebter Qualität Songs aus der Inszenierung „For the disconnected Child“. Wie auch in den Aufführungen, wurde hier Sprache zu Klang und verteilte Emotionen an die Großstadt. Ein sehr hervorragender Abend den Richter mit Zuschauern und Freunden Daheim an der Schaubühne geteilt hat. Danke!

Das Buch zur Lesung: „SMALL TOWN BOY und andere Stücke“ von Falk Richter| Theater der Zeit| 16,00€| Erhältlich unter: http://www.theaterderzeit.de/buch/small_town_boy_und_andere_st%C3%BCcke/.

Helgi Jonsson on Tour| 24.9.2016 Christuskirche (Düsseldorf), 20.00 Uhr; 25.9.2016 Monsouturm (Frankfurt), 20.00 Uhr; 26.9.2016 Admiralspalast (Berlin) 20.00 Uhr| Karten unter: http://www.helgijonsson.com/tour/.

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