Caligula – the tragedy of the intelligence

ASPHALT holt Marco Massafras „Caligula“ am 10.8. in die alten Farbwerke und zeigt dem Düsseldorfer Publikum, dass man für eine grandiose Inszenierung eines Klassikers kein subventioniertes Stadttheater braucht.

Mitten in den Ruinen Roms liegt das modern ausgestattete Büro des neuen Kaisers Caligula (Martin Bretschneider), in dem der Cäsar mit seinen Senatoren das Imperium Rom mit seinen Bürgern verwaltet. Cherea (Marco Massafra) tritt als erster auf und schaltet Licht, Rechner und Kaffeemaschine ein. Schließlich muss alles vorbereitet sein, wenn der Kaiser wieder auftaucht. Dieser ist nach dem Tod seiner Cousine Drusilla unauffindbar. Scipio (Bernhard Schmidt-Hackenberg), der mit einer Lorbeerpflanze zur Kaffeemaschine schreitet, wundert sich auch über das Verschwinden des neuen Cäsaren und diskutiert mit Cherea über die wahren Gründe für Caligulas Abwesenheit. Erst als Helicon (Damir Avdie), der dritte Senator Liebestrauer als rührenden Grund für Caligulas Verschwinden aufführt, kommt etwas mehr Licht in das Verhältnis zwischen Drusilla und dem Kaiser. Caligula war in Drusilla verliebt und sie befanden sich in einer inzestuösen Liebesbeziehung.

Nun ist Helicon alleine im Büro. Caligula tappt völlig durchnässt und verärgert zu ihm und spricht davon den Mond gesucht zu haben, weil er diesen doch gerne haben möchte. Helicon versteht den Kaiser nicht wirklich und fragt nach: „Den Mond hast Du gesucht?“, „Ja!“, versicherte ihn Caligula, „den Mond. Ich möchte das Unmögliche haben, weil diese Welt, so wie sie ist, nicht zu ertragen ist. Darum brauche ich den Mond, oder das Glück oder die Unsterblichkeit, etwas, was unsinnig sein mag, was aber nicht von dieser Welt ist“. Durch den Tod seiner Geliebten Drusilla offenbarte sich Caligula, dass Menschen sterben und nicht glücklich sind. „Die Menschen leben in der Lüge und ich möchte in der Wahrheit leben“, sagt Caligula zu Helicon. Deswegen wünscht Caligula sich das Unmögliche und versucht somit die Absurdität des Daseins bis zum Äußersten zu treiben, in dem er ‚den Lauf der Dinge‘ ändert, um zu beweisen, dass er frei ist. Sprich er lässt die Sonne im Osten untergehen.

CaligulaIn der Betriebsbesprechung verkündet Caligula den Senatoren Cherea, Scipio, Caesonia (Lisa Balzer) und Helicon sein Vorgehen. Um das Unmögliche möglich zu machen, müssen erst mal alle Bürger Roms ihr Erbe an den Staat abtreten. Und von nun an entscheidet Gaius, wer leben darf oder sterben muss.

Das ist der Beginn des wahnwitzigen Caligula, der jetzt zu jederzeit zufrieden gestellt werden muss, weil es ansonsten Tote gibt. Doch leider hat der Cäsar vergessen, dass man nicht alle Menschen zerstören kann, ohne sich selbst zu zerstören.

Massafra hat mit seiner „Caligula“-Inszenierung nicht nur einen Klassiker von Albert Camus in seiner ganzen Größe zum Ausdruck gebracht, sondern ihn auch in unsere Zeit übertragen, in der adrett gekleidete Staatschefs mit ihren Vertrauten in Büros sitzen und über Leben und Tod sowie ‚Staatsgelder‘ entscheiden dürfen. Wodurch Caligula, der versuchte das Absurde mit logischen Denken zu überwinden, im Gegensatz zu anderen gegenwärtigen Staatsherren oder Staatsdamen gar nicht so verrückt zu sein scheint. Caligula – verkörpert durch den hervorragenden Schauspieler Martin Bretschneider – schikanierte seine Senatoren zutiefst zynisch, sarkastisch und außerordentlich humorvoll. Dies vor allem in der „Poetry-Slam-Szene“. Dort sollten Caligulas Senatoren in kürzester Zeit etwas über den Tod dichten, um ihn zu unterhalten. Einfach fantastisch! Aber in dieser Inszenierung zeigt sich der Kaiser auch von einer ganz anderen Seite; nachdenklich, philosophisch und mit Genialität behaftet. Ganz nach dem Worten des Autors Camus, lässt Massafra „Caligula“ als „the tragedy of the intelligence“ spielen. Natürlich gebührt auch den anderen Schauspieler*innen ein großer Applaus für ihre sensationelle schauspielerische Leistung. Gemeinsam tragen alle dazu bei, dass es das Werk eines ganz großen Theaters ist!

Caligula“ als Gastspiel beim ASPHALT – Sommerfestival für Theater und Musik in Düsseldorf (8.-17. Aug. 2014) | Düsseldorf (Alte Farbwerke, Halle 21) | 10.8. | 20 Uhr | http://www.asphalt-festival.de/2014/programm/caligula.htm | Noch zu sehen auf der Rottstraße 5: http://www.rottstr5-theater.de/

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